See whats possible. See whats possible.

Text von Marcel Posa

Fotos von Fabian Freitag


 

Wir bei FOCUS haben das große Glück, dass unsere Homebase in Stuttgart nicht einmal zehn Minuten von vielen unserer liebsten Trails entfernt liegt. Doch es gibt ein großes Problem: Die meisten davon sind illegal. Im Rahmen unseres Projektes "Create YOUR better tomorrow" haben sich die Trailsurfers Baden-Württemberg bei uns gemeldet. Sie setzen sich für den Ausbau und die Legalisierung von Trails ein und wir unterstützen sie dabei.

Ein Gespräch über große Herausforderungen, harte Arbeit und den Status Quo des legalen Trailbaus aus erster Hand.

 
 
 

Besonders in der Zeit der ersten Lockdowns und Corona-Hochphasen haben viele Menschen in unserem Umfeld das Radfahren für sich entdeckt. Es wurde voll im Wald, was wir als Fahrrad-Enthusiast:innen erst einmal großartig finden, jedoch nicht bedingungslos abfeiern können – und auch nicht sollten. Konflikte mit den örtlichen Förster:innen, Behörden und anderen Waldnutzer:innen sorgen für immer größer werdenden Frust auf allen Seiten. Tierische Waldbewohner werden gestört und ihr Lebensraum angegriffen. Zudem besteht auf "wilden" Trails eine erhöhte Verletzungsgefahr. 

Trailsurfers Baden-Württemberg ist ein Verein, der sich für den Ausbau und die Legalisierung von Trails einsetzt. Seit 2016 engagieren sich die Mitglieder für die Erschaffung eines Naherholungsgebietes für Mountainbiker, dieses zu erhalten und das Mountainbiken als solches zu fördern. Mit ihrem auf Vereinsbasis organisierten, öffentlichen Trailkonzept sind sie in Baden-Württemberg neben wenigen anderen Beispielen Vorreiter:innen. Denn oft stehen hinter legalen Trails größere Bikeparks oder andere Sportstätten.

„Das war am Anfang extrem zäh, das war PIONIERARBEIT ".

Steffen Link ist zweiter Vorsitzender der Trailsurfers. Mit ihm haben wir auf dem eigens von den Trailsurfers organisierten Season-Finale über die aktive Arbeit des Vereins gesprochen. Für Steffen besteht die größte Herausforderung im legalen Trailbau darin, den politischen Willen zu organisieren. Dafür wird viel Zeit, jede Menge Netzwerken und eine extrem hohe Frustrationstoleranz benötigt. Zu Beginn sei der Verein in seinem Vorhaben quasi ahnungslos gewesen. Die Trailsurfers hätten zwar gewusst, was sie wollten und was gefordert würde. Wie das funktionieren sollte, war aber völlig unklar.

 
Steffen Link
 

Mittlerweile haben sich die Trailsurfers ein sicheres Verfahren für die Legalisierung von Trails erarbeitet. Der Prozess skizziert jeden Schritt von Anfang bis Ende und beinhaltet viele Absicherungen. Das klingt aufs erste recht simpel. Bis jedoch der erste offizielle Spatenstich erfolgt, können mehrere Jahre ins Land gehen. Das ist der große Knackpunkt. Die zeitlichen Maßstäbe, in denen gedacht und gehandelt wird, sind zu weit voneinander entfernt. Ein Trail-Genehmigungsprozess kann derzeit drei bis sechs Jahre in Anspruch nehmen. Jugendliche, die den Sport gerade für sich entdecken, verlieren durch das fehlende Angebot an legalen Trails den Sport so schnell wieder aus den Augen.

„Das ist so wie jedes andere politische Thema auch: Organisiert euch".

Mittlerweile haben sich die Trailsurfers ein sicheres Verfahren für die Legalisierung von Trails erarbeitet. Der Prozess skizziert jeden Schritt von Anfang bis Ende und beinhaltet viele Absicherungen. Das klingt aufs erste recht simpel. Bis jedoch der erste offizielle Spatenstich erfolgt, können mehrere Jahre ins Land gehen. Das ist der große Knackpunkt. Die zeitlichen Maßstäbe, in denen gedacht und gehandelt wird, sind zu weit voneinander entfernt. Ein Trail-Genehmigungsprozess kann derzeit drei bis sechs Jahre in Anspruch nehmen. Jugendliche, die den Sport gerade für sich entdecken, verlieren durch das fehlende Angebot an legalen Trails den Sport so schnell wieder aus den Augen.

„Das ist so wie jedes andere politische Thema auch: Organisiert euch".

Traillegalisierung ist politische Arbeit. Mit einer Mehrheit an Unterstützer:innen wird diese nicht weniger anstrengend. Durch Zuspruch erhält man aber Rückenwind, der gut tut. Dafür haben sich die Trailsurfers in viele Fraktions- und Gemeinderatssitzungen gesetzt. Sie mussten viele Diskussionen führen und eine Menge Aufklärungsarbeit leisten. Ihr Ratschlag an alle, die auch etwas für den legalen Trailbau tun wollen: „Das ist so wie jedes andere politische Thema auch: Organisiert euch. Wer kann was am besten? Wer kann Pressearbeit? Wer kann Treffen oder Veranstaltungen organisieren?”

 
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Für Steffen liegt die größte Stärke des Vereins darin, sich innerhalb von kleinen Teilgruppen recht unabhängig voneinander zu organisieren. „Dezentral, nicht autonom, aber sehr selbstverantwortlich”, wie es Steffen beschreibt. Das mächtigste Werkzeug neben Spaten und Rechen sind die Mitglieder eines Vereins. Je mehr Mitglieder und je größer das Thema aufgearbeitet wird, desto mehr Nachdruck verleiht man der Sache. „Wir haben uns nicht Trailsurfers Beilstein genannt, sondern Trailsurfers Baden-Württemberg. Hol die Leute rein, vernetz dich und mach dich groß, mach dich sichtbar”. Schnelle Erfolge sind zudem essentiell. Aus Steffens Sicht als Unternehmensberater sind die zwei tragenden KPIs zum einen die Anzahl an Mitglieder und zum anderen legale Trailkilometer. „Aber um beides zu erreichen, musst du einfach schauen, dass die Leute Spaß haben und das steht im Vordergrund”.

„Du musst die Gemeinde kennen, du musst dort sichtbar sein".

Bei den Trailsurfers gibt es viel Kann aber kein Muss. Dadurch sollen die Hürden niedrig gehalten werden. Einer großen Dachorganisation beizutreten, kommt für die Trailsurfers nicht in Frage. Kurze, schnelle Entscheidungswege ermöglichten den Trailsurfers bisher so zu arbeiten, wie sie es tun: „Wir glauben an diesen Bottom-Up-Ansatz. Du musst die Gemeinde kennen, du musst dort sichtbar sein. Da bringt es nichts, wenn ich irgendwo eine Zentrale habe”.

Trailsurfers Baden-Württemberg Season Finale

Die Trailsurfers fiebern nun einem großen Meilenstein entgegen: die Verbindung der beiden Runden von Beilstein und Oberstenfeld. Hierfür wurde am Tag unseres Besuchs symbolisch der erste Spatenstich gesetzt. Die Bauphase soll schon bald beginnen. Auch von einer Mountainbike AG an einer großen Schule im Umfeld ist die Rede, erste Gespräche sollen bald stattfinden. Wir bei FOCUS sind gespannt auf das, was die Zukunft für die Trailsurfers Baden-Württemberg bringt. Wir werden sie begleiten.

Bei den Trailsurfers gibt es viel Kann aber kein Muss. Dadurch sollen die Hürden niedrig gehalten werden. Einer großen Dachorganisation beizutreten, kommt für die Trailsurfers nicht in Frage. Kurze, schnelle Entscheidungswege ermöglichten den Trailsurfers bisher so zu arbeiten, wie sie es tun: „Wir glauben an diesen Bottom-Up-Ansatz. Du musst die Gemeinde kennen, du musst dort sichtbar sein. Da bringt es nichts, wenn ich irgendwo eine Zentrale habe”. Die Trailsurfers fiebern nun einem großen Meilenstein entgegen: die Verbindung der beiden Runden von Beilstein und Oberstenfeld. Hierfür wurde am Tag unseres Besuchs symbolisch der erste Spatenstich gesetzt. Die Bauphase soll schon bald beginnen. Auch von einer Mountainbike AG an einer großen Schule im Umfeld ist die Rede, erste Gespräche sollen bald stattfinden. Wir bei FOCUS sind gespannt auf das, was die Zukunft für die Trailsurfers Baden-Württemberg bringt. Wir werden sie begleiten.

 

FOCUS Bikes spendete 4.500 Euro an Trailsurfers Baden-Württemberg. Dadurch konnte der Verein die Kosten des letzten Genehmigungsprozesses bezahlen. Wir möchten unsere Plattform und Reichweite dafür nutzen, dem Verein eine Stimme zu geben und seine Kraft als Vorbild herausstellen. Auch in Zukunft ist weitere Unterstützung geplant.

 
 
 
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