Shredtime Stories aus Elba

Nach unserem wilden Ritt durch die spanischen Pyrenäen war klar: Der nächste Trip musste nicht nur ein würdiger Nachfolger werden – er sollte ein neues Kapitel schreiben. Mit dem festen Wunsch nach Sonne, Trails und einer Prise italienischer Leichtigkeit fiel die Wahl schnell auf ein Ziel, das all das verspricht: Elba. Eine kleine Insel mit großer Trail-DNA, umgeben vom türkisblauen Mittelmeer. Perfekt für unsere Crew – Evelyn, Nina, Steffi und Susi – aka die shredtime stories. Im Gepäck: unsere frisch geputzten Focus JAM² SL E-Mountainbikes, ein Berg voll Pasta-Gelüste und die unbändige Lust auf Dreck an den Knien und Salz im Haar.

La Dolce Shred – Trailträume zwischen Meer und Macchia

Von Vans und Vorfreude

Schon der Weg auf die Insel war eine kleine Reise für sich. Vollgepackte Vans, laute Playlists und Zwischenstopps mit Espresso an Autobahnraststätten – das klassische Roadtrip-Gefühl. Die Fähre von Piombino rüber nach Elba war wie ein Cut – als würden wir in eine andere Welt übertreten. Das Licht wurde weicher, die Luft salziger und die Straßen leerer. Nebensaison bedeutet: Ruhe, Platz, Freiheit. Und das Gefühl, eine Insel fast ganz für sich zu haben. Unser erstes Camp schlagen wir in Lacona auf – direkt am Meer, zwischen Pinien und Oleander. Morgens wacht man mit Meeresrauschen auf, abends glitzern Sterne über unseren Vans. Und zwischendrin? Biken, biken, biken.

Laconella – Liebe auf den ersten Drop

Der erste Trail unseres Trips heißt Laconella DH. Der Name klingt nach einem zarten Dessert, ist aber in Wirklichkeit ein würziger Trail-Mix aus Technik, Flow und Adrenalin. Der Anstieg ist mit E-Power ein Kinderspiel, und oben angekommen, atmen wir alle kurz durch. Steffi grinst: „Na Mädels, bereit fürs erste Date?“ – und wie wir das sind. Die ersten Kurven sind noch feucht, das Laub knistert unter den Reifen, und jede Kurve bringt ein bisschen mehr Euphorie. Die Strecke ist verblockt, aber nicht fies. Anspruchsvoll, aber spielerisch. Wir surfen durch Kurven, jubeln über kleine Jumps und staunen über den Blick aufs Meer, der sich zwischen den Bäumen und Sträuchern immer wieder auftut. Unten angekommen: High Five, Aperitivo, Repeat. Laconella hat unsere Herzen im Sturm erobert – so sehr, dass wir am nächsten Tag direkt drei Runden drehen. Suchtpotenzial: hoch.

Laconella – Liebe auf den ersten Drop

Noch sind wir auf unserem Campingplatz direkt am Strand – die warme Dusche nach dem Trail, das Fahrradwaschen direkt vor Ort – purer Komfort, vor allem nach dem zweiten, feuchtfröhlichen Biketag. Immerhin hat es in der letzten Woche noch wie aus Kübeln geschüttet. Und seit wir auf der Insel angekommen sind: nur Sonnenschein. Am nächsten Morgen sitzen Nina und Eve barfuß im Sand, das Gesicht der aufgehenden Sonne entgegen, meditieren zum Rauschen der Wellen. Ein Moment zwischen Ankommen und Loslassen.

Monte Perone – Zwischen Himmel und Kiefernnadeln

Nach den ersten zwei Tagen an der Küste locken die Berge. Der Monte Perone erhebt sich wie ein grüner Wächter über Elba und verspricht eine ganz neue Art von Trailspaß. Schon bei der Fahrt durch die lichten Pinienwälder ist klar: Hier oben weht ein anderer Wind. Die Luft ist frischer, die Stimmung aufgeladen.

Monte Perone – Zwischen Himmel und Kiefernnadeln

Auch unser Camp ist hier besonders: ein kleiner Stellplatz mitten im Wald, den Steffi und Nina schon vom Scouting-Trip kennen. Riesige, schlanke Kiefern ragen in den Himmel, ihr Duft liegt schwer in der Luft. Wir parken die Vans im Kreis, bauen in der Mitte unser Lager auf: Tische, Stühle, Essensproviant – Wohnzimmer-Feeling unter freiem Himmel.

Monte Perone – Zwischen Himmel und Kiefernnadeln

Keine Dusche, dafür eine Wasserquelle an der Straße. Dort füllen wir unsere Kanister auf, waschen Haare im Sonnenuntergang und finden die romantischsten stillen Örtchen mit Wald- und Weitblick. Das Besondere: Wir sind schon ganz oben. Von hier aus rollen wir direkt zu den Trail-Einstiegen. Morgens rollen wir raus, abends wieder rein – und fühlen uns, als würden wir hier oben wohnen.

Monte Perone – Zwischen Himmel und Kiefernnadeln

Warm-up auf Zucca 1 & 2 – Trails, die klingen wie italienisches Streetfood, aber ordentlich Pfeffer haben. Kleine Gaps, flowige Linien – und plötzlich Wildschweinspuren, die das Terrain in eine Mini-Achterbahn verwandeln. Wir lachen uns durch. Dann wird’s ernst – zumindest ein bisschen. Case Vecchie (rot) und Sassi Ritti (schwarz) sind wie Yin und Yang: der eine verspielt, der andere fordernd. Beide mit Sandsteinplatten gespickt, die unter den Reifen kleben wie Kletzenbrot.

Monte Perone – Zwischen Himmel und Kiefernnadeln

Der Grip ist fantastisch, der Ausblick über das endlose Meer noch besser. Unten wartet der Anstieg: Wir treten wieder hoch zu unseren Vans im Pinienwald, setzen unsere Kochtöpfe auf und kochen die beste Pasta, die unsere Campingküchen je gesehen haben. Und plötzlich ist da das Gefühl, ein bisschen mehr eins mit dieser Insel geworden zu sein.

Nordwärts ins Abenteuer

Nach Süden und Westen wird’s Zeit für den Norden. Die Landschaft schlägt um – von mediterran zu bizarr. Verlassene Bergbaumaschinen, rostige Gleise, rote Erde. Elba hat Geschichte – und hier oben wird sie sichtbar. Wir fahren durch ein ehemaliges Eisenerzabbaugebiet, das mehr nach Mars als nach Mittelmeer aussieht. Ziel: der Laghetto Rosso Trail. Der Einstieg liegt versteckt, das Terrain ist rau. Schotter, Sand, Staub – und dann plötzlich: ein roter See, als hätte jemand den Farbfader nach rechts gedreht. Surreal schön.

Nordwärts ins Abenteuer

Einer der schönsten Abschnitte führt durch den Canyon Rosso – rot, steinig, spektakulär. Am Ende öffnet sich der Blick aufs Meer. Wir halten inne, schauen uns an – und schweigen. Manchmal braucht es keine Worte – nur einen Trail, eine Crew und einen Moment.

Nordwärts ins Abenteuer

Unser Camp an diesem Abend liegt direkt am Meer – gefunden dank Park4Night. Das Rauschen der Wellen begleitet uns in den Schlaf, und am Morgen ist alles in rosafarbenes Licht getaucht. Das Meer liegt glatt wie Glas vor uns, wir frühstücken in Campingstühlen am Strand, die Beine im Sand, die Köpfe noch voll vom Trailrausch.

Capoliveri – Endgegner mit Aussicht

Bevor es in den Capoliveri Bikepark geht, gönnen wir uns noch eine Nacht auf einem der wenigen Campingplätze an der Ostküste, der um diese Jahreszeit noch offen hat. Die warme Dusche ist mehr als verdient – und da kaum noch ein Restaurant geöffnet hat, holen wir uns eine Take-Away-Pizza im Nachbarort. Der Platz liegt in Terrassen mitten unter Bäumen, die Stimmung ist ruhig, fast andächtig. Wir schlafen gut und rollen am nächsten Morgen entspannt in den nächsten Biketag.

Zum großen Finale gönnen wir uns den Capoliveri Bikepark. Der Name klingt offiziell, fast zu brav. Doch was uns erwartet, ist alles andere als brav: rote Erde, verfallene Maschinen, ein Labyrinth aus Trails, Jumps und coolen Uphill-Passagen. Die Sonne brennt, der Grip ist endlos, der Flow – sagen wir’s so: Wir schreien vor Freude. Zwischen den Runs gibt’s kurze Pausen im Schatten oder sitzend auf alten Ruinen, den Blick Richtung Meer gerichtet, Wasserflaschen kreisen – und dann geht’s wieder los.

Als letzten Trail nehmen wir den Punta Calamita DH unter die Stollen. Die Strecke führt vom oberen Bikepark-Gelände hinunter bis ans Meer – direkt zu den alten Minen von Capoliveri. Hier unten ändert sich nicht nur das Licht, sondern die ganze Welt: rostrote Felsen, bizarre Gesteinsformationen, riesige Bergbaumaschinen, alte verrostete Förderbänder, Bagger – und eine Atmosphäre, als wäre man auf einem anderen Planeten gelandet. Eine unglaublich irre Landschaft, die uns sprachlos macht. Wir sind voller Dankbarkeit für die magischen Orte, an die uns unsere Bikes gebracht haben. Ein würdiger Schlusspunkt für ein Abenteuer, das uns tief berührt hat.

La Notte Italiana

Was bleibt, ist ein letzter Abend, der wie ein Best-of unserer Reise schmeckt: italienisches Frühstück in der Altstadt, eine Aperol-Session zum Sonnenuntergang und der cremigste Burrata auf Tomatenfond, den sich jede von uns redlich verdient hat. Wir stoßen an – auf die Trails, auf unsere Bikes – und auf uns. Denn genau darum geht’s bei den shredtime stories: gemeinsam losfahren, gemeinsam ankommen. Und unterwegs ein kleines Stück Welt entdecken, das man nie wieder vergisst.

Arrivederci, Elba – wir kommen wieder.