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Teaser 1

Mit dem SAM durch den Himalaya

Markus Wössner von Chiemgau-Biking hat eine Tour durch den Himalaya gemacht. Sein treuer Begleiter war ein FOCUS SAM Factory mit einem 1 x 11 Antrieb. Wir wollen euch den Bericht und diese fantastischen Bilder - die findet ihr am Ende des Artikels - natürlich nicht vorenthalten.

Der Bericht von Markus Wössner:

Januar 2015. Rückschau auf eine andersartige Reise, mit Materialtest besonderer Art. Von einem, der auszog, den Himalaya auszuloten…

"How do you feel?" Die Frage hallt nach. Die Erinnerungen sind vielfältig. Eine Mountainbike-Reise bis ans Ende der Welt. In ein seltsam anderes Land. Seit drei Wochen bin ich wieder retour. Wo ich war? Was und wie ich mich fühlte? Ein Kaleidoskop von Erinnerungen dreht sich noch im Kopf.

Rückschau: Juli 2014, Cloppenburg, 39 m ü. NHN: Auf der Derby Cycle Bike Expo im niedersächsischen Flachland fasziniert die Optik der neuen Focus-MTB's. Neue Enduros, super leichte Hardtails, Design wohin das Auge fällt. Doch eines irritiert: der Antrieb, der so vielfältig verbaut ist! SRAM's 1 x 11 Konzept - es findet sich für meinen Geschmack etwas zu oft an den Modellen. Eine ausführliche Fachsimpelei mit dem Mountainbike Produktmanager, Phillip Klein, weckt Neugier, doch Skepsis überwiegt. Ich kann mir nur schwerlich vorstellen, ein einziges Kettenblatt von 30 Zähnen bringt mich in den steilen Alpen zum Gipfelglück, geschweige denn ans Ziel. Phillips Verweise auf "Ritzelrechner. de"? Pure Theorie, denke ich. Entwickler-Garn? "Komm zu mir ins Chiemgau", sage ich selbstsicher. "Dort wirst du sehen, DA sind Berge; da ist's vorbei mit 1 x 11". Doch Phillips Kollege Andreas Krajewski, FOCUS Brandmanager, hat eine andere Idee.

Eine bessere, das wird sich herausstellen. Fünf Monate später…:

Jomsom, 2.770 m ü. NHN:
 Was für ein Flug: ein kleines Transportflugzeug, eine Twin Otter bringt uns mehr als spektakulär in eine andere Welt. Nepal, der kleine Binnenstaat ist in Südasien nach Tibet das zweithöchstgelegene Land der Erde und in etwa so groß wir Österreich und die Schweiz zusammen. Nepal gilt als DAS Land der Berge. Hier finden sich alleine acht von sämtlichen 14 Achttausendern dieses Planeten. Nepal, hier ist der Himalaya allgegenwärtig. Der einstündige Flug zwischen zwei dieser Achttausender hindurch passt perfekt zu dem, was mich hier erwartet. Die Windböen im Korridor zwischen den Eisriesen sind so stark, dass der Flieger kräftig durchgeschaukelt wird. Einmal gestartet, gibt es dort für eine Twin Otter kein Zurück mehr. Und genau das gilt jetzt auch für mich und mein Bike-Abenteuer. "Was gibt es Besseres, als das Bike dort zu testen, wofür es gemacht ist?", bot mir Andreas im Juli an. Tiefblauer Himmel begrüßt uns. Die Szenerie fast surreal. Der riesigen Breite des Kali Gandaki-Flusstals folgend schlängeln wir uns gemächlich aufwärts. 250 hm auf 10 km sind ein überschaubarer Einstieg nicht nur ins ehemalige Königreich Mustang. Die Luft ist dünn. Der Untergrund steinig, sehr steinig. Gut, dass ich mich für die 160mm- Federwegsklasse entschieden habe. Das Factory-Enduro klettert richtig gut. Was mich überrascht: bei ungeblockter Dämpfereinheit ist die Performance sogar am besten. Ich freue mich auf die morgige Tour.

Muktinath, 3.790 m ü. NHN: Was für ein Uphill! Durch eine schier endlos steile Mondlandschaft bin ich Kehre für Kehre direkt in den Himmel gekurbelt. Quer durch Frostpassagen, vorbei aN unbegrünten Bergflanken, durch karge Gesteinsfelder. Immer in Begleitung von stolzen, mächtigen Eisriesen. Unwirklich, anders, doch irgendwie vertraut. „Mountainbiking on Top of the World.” Am Dach der Tour angekommen, zeigt uns der mit 8.167 m mehr als doppelt so hohe Dhaulagiri seine majestätische Eisfahne. Kaum zu glauben, dass Bergsteiger auf ihrem Weg von dort mehr Spaß haben können als ich? Denn wir haben mehr als 1500 hm Downhill vor uns. Ich ahne es: es wird die Abfahrt meines Lebens. Eine Bilderbuchabfahrt in bizarrer Kulisse. Markig knirschende Schuttkar-Sektionen, schnelle Schotterpisten, sandgeflutete Steinkorridore und permanent Single Trails, die uns glauben lassen, alle 33 Millionen Hindu-Götter haben diese Landschaft vor allem für den Mountainbiker erschaffen...! Ihr ahnt, wie ich mich hier fühlte, wie nie zuvor? Yeah! SAMtastic...!! Ich hatte das SAM Factory 3.0 modifiziert: Die RockShox Pike RC Solo Air hatte ich im Vorfeld erweitert um die Dual-Einheit, um eine Absenkbarkeit auf 120 mm zu erreichen. Tatsächlich war ich einige Male froh über die Tieferlegung, speziell im ersten Kletterteil ab 3300 m Höhe und auf so manchem Abkürzer ins extrem Steile. Umso mehr erstaunt mich im Nachhinein, wie wenig ich wirklich dieser Modifikation bedurft hätte. Hauptveränderung am SAM war ein Tausch des Laufradsatzes. Hier konnte ich einem stabilen, knallig orange-farbenen ultraleichtem Alu- Carbon-Wheelset von Industry Nine nicht widerstehen. Ohne es konkret zu wissen, traf ich mit dieser orangenen Farb- und Materialkonstellation optisch ins Schwarze: Im Buddhismus steht die Farbe Orange für Reinheit, Weisheit und Reife. Vielleicht verdankte ich auch daher den guten Umstand, dass mein Rad während der Tour allerorten speziell beäugt und von unseren treuen Guides und Begleitern in der Tour auch besonders gepflegt wurde...?

Pokhara, 930 m ü. NHN: Einige Tage später sind wir in der zweitgrößten Stadt Nepals angekommen. Zentral gelegen, malerisch am Phewa-See, mit herrlichem Blick auf die gesamte Annapurna-Front. 200 km derbste Stein-, Sand- und Lehmpisten hat das Fahrwerk des SAMs mit Leichtigkeit geschluckt. Die Schaltung funktioniert präzise nach dem Motto "weniger ist mehr". Gerade im extrem staubigen Gelände zeigt sich der Vorteil, keinen Umwerfer zu besitzen. Die Kettenführung über die langen, gebogenen Zähne des Kettenblattes hin zur wuchtigen 10/42-Kassette erweist sich neben dem Fahrwerksspektrum als ergänzendes Highlight im schwierigen Terrain.

Und so kommt es am Ruhetag im idyllischen Pokhara zur Belohnung: weniger jedoch für uns, als für eine kleine Schule in den höher gelegenen Wards um Kristi/ Harrabot. Vor zwölf Jahren war hier eine Twin Otter um Haaresbreite wenige Meter entfernt schlechtwetterbedingt am Berg zerschellt. An dieses Unglück erinnert ein kleines Denkmal auf dem Gelände des Pausenhofes. Als wir eine fast 5-stellige Summe für den Bau des Schuldaches überbringen, spüren wir grenzenlose Dankbarkeit. In Erinnerung bleiben ein emotionaler Besuch und das Wissen, erstklassige Hilfe zur tatkräftigen Selbsthilfe überbracht zu haben.

Denn beim Blick in die Klassenzimmer und in die Gesichter der Grundschüler haben wir verstanden: Bildung ist in diesem Land nicht selbstverständlich, daher ein umso größeres Gut. Weisheit tut gut. Nicht nur hier, doch hier besonders.

Gorkha, 1.070 m ü. NHN: Am alten Königspalast erhaschen wir spektakuläre Blicke auf den nächsten 8000er: hier thront der Manaslu! Der "Berg der Seele" ist gerade mal 4 m "kleiner" als der mächtige Dhaulagiri. Nachdem wir ca. 2/3 unserer Tour absolviert haben, blicke ich erstmals zurück: Ich frage mich, wie ich am Antriebssystem 1 x 11 zweifeln konnte. Von knapp 4000 m bis zum tiefsten Punkt der Tour in nahezu tropischen gut 400 m ü. NHN hatten wir im up & down ein Spektrum von 3500 m Kletterei abgespult.

Bei teils extrem steilen Rampen. Weder war mir die Übersetzung zu groß, noch zu klein. Die Reduktion auf das Wesentliche, verbunden mit Einsparung von Gewicht machten mein Pferdchen zum Klassenprimus. Mit 12,9 kg fuhr ich im Himalaya-Revier ein Enduro, das in der 160- mm-Klasse in Agilität glänzen, hervorragend klettern und vor allem im schnellen Downhill punkten konnte. Wie das Bike, konnte ich auch die Landschaft genießen:

die zwiebelartig aufgespaltenen, teils üppig grünen Reisterrassen der Midlands. Das von sattem Rotbraun durchzogene Dschungelgrün des Urwaldbereichs in den Lowlands. Und natürlich immer wieder die alles überragenden weißen Eisriesen vor teils tiefblauem Himmel! "How would I feel"?

Shivapuri Nationalpark, Kakani, 2.030 m ü. NHN: Im Finale unserer gut dreiwöchigen Nepal-Tour erleben wir einen richtigen Showdown. Bei exzellenter Fernsicht breitet sich vor uns die schier endlose Gebirgskette des Langtang-Himalayas vom Annapurna bis zum Everest-Massiv mit den Gipfeln des Langtang Lirung I (7226 m) und des Gan Chenpo (6387 m). Bei guter Fernsicht ist sogar der Shisha Pangma (8027 m) zu erkennen. Die spektakuläre Fernsicht verursacht Gänsehaut und staunendes Fotobiken: permanent bleiben wir stehen, zücken die Kamera, kurbeln weiter, um erneut den nächsten Fotostop einzulegen. Bereits am Tag vor dieser Panorama-Kulisse durften wir den längsten Trail unseres Lebens genießen: auf 33 km Fahrstrecke sollten wir nicht weniger als 30 km Single Track surfen. Auch hier bei bester Mountainview. Und einmal mehr überzeugte mich das Fahrwerk des SAM: Bei teilweise hand-, meist handtuchbreiten Singletrails navigierte sich das cremefarbene Factory-Bike extrem wendig und dynamisch durch die Pfade. Im ruppigen Finale, in vielen ausgesetzten und ausgewaschenen Partien und Minibachbetten bestätigte sich der Vorteil des kleinen Kettenblattes: mit jeder 2- oder 3-fach-Kombination wäre ich hier etliche Male aufgesessen. Fazit: in einer Tour der Superlative fand ich alle Zutaten zur Glückseligkeit. Glück war hier allgegenwärtig: erkennbar im freundlichen Lächeln eines jeden Nepali am Wegerand, immer begleitet von einem kehlig klingenden "Namasté", der göttlichen Grußformel in jenem göttlichen Land. Göttlich nicht nur das Land, natürlich die vielen Achttausender, der ganze Trip, das ganze Panorama. Und mein Befinden? Nach diesem Trip lässt es sich leicht mit einem einzigen Wort beschreiben: "SAMtastisch...!